Über die Literatur um acht

Sonntag, den 31. August 2008 um 05:07 Uhr KMS
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ÜBER DIE LITERATUR UM ACHT
von Mischi Steinbrück


Wie schön allein der Name ist! „Literatur um acht“

Um acht, wenn die Ewigkeit beginnt, um acht, wenn der Abend angebrochen ist und die Nachtsonne zu scheinen anfängt, um acht, in welcher Zahl sich doch ein „ach“ verfangen hat und, wer weiß, vielleicht auch um acht, um achtzugeben, achtzuhaben auf die Sprache.......
Um wie vieles besser ist dieser Name als z. B. „Das literarische Quartett“. Nun ja, es geht hier schließlich nicht um Besprechungen und Kritik, sondern NUR um Literatur. Kein slam, kein Hauen, kein Stechen, kein Kabarettismus, keine Ablache, keine Abzocke....

Die LITERATUR UM ACHT entstammt einem geistigen Gebilde, das sich wunderbarerweise im Schlamm des herrschenden Kulturbetriebs seine Unschuld erhalten hat. Eine Unschuld, die zitternden, frierenden Seelen so eigen ist wie auf dem Gebiet  des Tanzes dem BHUTO-Tänzer.

Für die LITERATUR UM ACHT zu werben ist eigentlich falsch. Oder man müßte eine Geheimtinte verwenden, die ihre Farbe nur jenen zeigt, die gleichermaßen unschuldig und anspruchsvoll zugleich sind, denn ich fürchte immer einen zu starken Besuch, hat sich doch gezeigt, daß die Veranstaltung ihre Qualität bei wenigen Lesenden und auch bei schwächerem Besuch schöner entfaltet als bei all zu vollem Haus. Dann bleibt dem kleinen Kreis Hoffender genügend Raum, genügend Abstand, um auch nach dem Lesen die richtigen Worte an einander zu richten. Keine Kritik, kein Lob. Das gehört zu den Regeln.
Aber natürlich gibt es dank der anarchistischeren Temperamente doch immer wieder winzige Entgleisungen mit Ausrufen der Zustimmung oder Ansätzen von Kritik. Doch unausweichlich verweist hierauf einer der Gründerveranstalter auf die Regel. Und das ist gut so, denn das eigene Konzept, den eigenen Stil, die eigene Genialität zum Maßstab machen zu wollen, führt leicht zur Herabsetzung des davon Abweichenden.
Insofern ist die LITERATUR UM ACHT  eine moralische Veranstaltung mit erzieherischem Erfolg, denn das kommentarlose Zuhören zwingt auf die Dauer, Qualitäten auch dort zu entdecken, wo man sie nicht vermuten wollte. Eine beglückende Erfahrung

Aktualisiert ( Dienstag, den 19. Februar 2019 um 16:51 Uhr )